We believe a Democ­ra­cy needs free media

Demokratie ist kein Zus­tand, keine endgültige Gegeben­heit. Vielmehr lebt Demokratie von der dauer­haften Wil­len­säußerung seines Sou­veräns. Dafür braucht dieser einen Impuls, der aktuell immer schwäch­er wird.

Je suis presse:Die Bürg­er Europas demon­stri­erten für die Presse­frei­heit, die nie­mand für selb­stver­ständlich hal­ten sollte

Was ist die Grund­lage ein­er funk­tion­ieren­den Demokratie? Die Gewal­tenteilung? Die Presse­frei­heit? Sicher­lich. Aber es gibt einen weit­eren wichti­gen Fak­tor, der jed­er freien Grun­dord­nung zugrunde liegt. Damit sie entste­hen und – mit­tels notwendi­ger Über­prü­fun­gen und Erneuerung — erfol­gre­ich bewahrt wer­den kann, braucht sie einen wis­senden Sou­verän. Einen Sou­verän, der in der Lage sein muss, seine Sou­veränität zu erken­nen, zu ver­ste­hen und zu artikulieren. Der freie und informierte Wille des Wäh­lers und dessen Aus­druck ist die Grund­lage jed­er Demokratie. Aber diese Bedin­gun­gen sind nicht natür­lich. Eine selb­st­bes­timmte Wil­len­säußerung ist nur dort möglich, wo die Selb­st­bes­tim­mung an sich möglich ist. Um erken­nen zu kön­nen, welche Hand­lun­gen welche Kon­se­quen­zen haben, braucht es Wis­sen. Ohne Wis­sen ist Selb­st­bes­tim­mung nichts anderes als Selb­st­täuschung. Eine Demokratie braucht Bürg­erin­nen und Bürg­er, die in der Lage sind, Mei­n­un­gen und Willen zu bilden, und die auch bere­it sind, diese zu äußern. Eine lib­erale Demokratie kann nicht ohne die aktive Beteili­gung ein­er kri­tis­chen Masse von in jed­er Hin­sicht vernün­fti­gen Bürg­ern funk­tion­ieren. Wenn sich nie­mand öffentlich artikuliert, herrscht Toten­stille im Staats­ge­bäude.

Aber viele Bürg­erin­nen und Bürg­er kom­men nicht mehr als Öffentlichkeit zusam­men, son­dern existieren nur noch isoliert voneinan­der, in Form von speziellen Gemein­schaften und in geschlosse­nen Echokam­mern des Inter­nets. Der Nutzer nimmt nicht mehr für sich selb­st wahr, son­dern nur noch durch Fil­terblasen. Ein Phänomen, das die aktuell man­gel­nde Selb­stver­ständlichkeit und hohe Fragilität lib­eraler Demokra­tien entschei­dend ver­stärkt.

Fil­terblasen sind an sich kein neues Phänomen. Wo Men­schen zusam­menkom­men, bilden sich Grup­pen, die in Mei­n­ung, Kul­tur oder Ansicht­en homogen sind. Gle­ichzeit­ig ist nur die Abwe­ichung von der Norm, die Aus­nahme von der Regel, der neue Impuls, ein Garant für Fortschritt und kul­turelle Entwick­lung. Die Auf­gabe der freien Medi­en ist es seit jeher, die Fil­terblasen zum Platzen zu brin­gen, nicht das zu senden was ein­er Homogen­ität am zuträglich­sten ist, son­dern zu sagen was ist. Deswe­gen ist es gute Tra­di­tion, beispiel­sweise in Zeitun­gen – egal ob gedruckt oder online – Kolum­nis­ten und Mei­n­ungsstücke abzu­druck­en, die ver­schiedene poli­tis­che Posi­tio­nen vertreten. So wird ein Diskurs stim­uliert, der in der Echokam­mer eines auf Zus­pruch zugeschnit­te­nen Sozialen Net­zw­erkes nie entste­hen kann.

Freie Medi­en sind somit gle­ichzeit­ig Essenz und Nährlö­sung jed­er Demokratie. Ihre Vielfalt und Unab­hängigkeit zu schützen ist eine zen­trale Auf­gabe jed­er aufgek­lärten Gesellschaft, die ihre Zukun­ft als solche bewahren will.

Copyright International Media