Fran­zö­si­sche Wett­be­werbs­be­hör­de ent­schei­det gegen Goog­le

Goog­le ver­pflich­tet, sich inner­halb von drei Mona­ten mit fran­zö­si­schen Pres­se­ver­le­gern über Ver­gü­tung für Pres­sein­hal­te zu eini­gen

Pres­se­mit­tei­lung
Ber­lin, 09.04.2020

Die fran­zö­si­sche Wett­be­werbs­be­hör­de (Auto­ri­té de la con­cur­rence) hat heu­te einer Beschwer­de der fran­zö­si­schen Pres­se­ver­le­ger und der Nach­rich­ten­agen­tur AFP statt­ge­ge­ben. Die Beschwer­de rich­te­te sich gegen Ver­su­che des Unter­neh­mens Goog­le, das in Frank­reich im letz­ten Jahr zur Umset­zung der neu­en EU Urhe­ber­rechts­richt­li­nie in Kraft getre­te­ne Pres­se­leis­tungs­schutz­recht ins Lee­re lau­fen zu las­sen. Die Behör­de stell­te fest, dass die Prak­ti­ken von Goog­le wahr­schein­lich einen Miss­brauch einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung dar­stel­len und den Pres­se­sek­tor ernst­haft und unmit­tel­bar beschä­di­gen. Um die­ser Gefahr zu begeg­nen, wird Goog­le ver­pflich­tet, inner­halb von drei Mona­ten Ver­hand­lun­gen mit Ver­la­gen und Pres­se­agen­tu­ren über die Ver­gü­tung für die Nut­zung ihrer geschütz­ten Pres­sein­hal­te zu füh­ren. Dabei sol­len auch zurück­lie­gen­de Nut­zun­gen berück­sich­tigt wer­den, die ab dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 24. Okto­ber 2019 erfolgt sind.

Das Ver­fah­ren vor der Wett­be­werbs­be­hör­de wur­de im Novem­ber 2019 von Pres­se­ver­la­gen (Syn­di­cat des édi­teurs de la pres­se maga­zi­ne, l’Al­li­an­ce de la pres­se d’in­for­ma­ti­on géné­ra­le) und der Agence Fran­ce-Pres­se (AFP) in Gang gesetzt. Mit die­ser schnel­len Ent­schei­dung reagiert die Behör­de auf die unmit­tel­ba­re Gefahr irrepa­ra­bler Schä­den, die den Antrag­stel­lern durch das wett­be­werbs­wid­ri­ge Ver­hal­ten von Goog­le dro­hen. Goog­le hat­te nach Inkraft­tre­ten des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts in Frank­reich ein­sei­tig ent­schie­den, Aus­zü­ge aus Arti­keln, Foto­gra­fien, Com­pu­ter­gra­fi­ken und Vide­os über sei­ne Diens­te nur noch sehr ein­ge­schränkt anzu­zei­gen – mit Aus­nah­me des Fal­les, dass die Rech­te­inha­ber einer kos­ten­lo­sen Nut­zung durch Goog­le zustimm­ten. Eine wei­ter­ge­hen­de Ent­schei­dung der Wett­be­werbs­be­hör­de ich in die­ser Sache ist bereits für den Herbst 2020 ange­kün­digt wor­den.

Die VG Media hat in die­sem Ver­fah­ren die beschwer­de­füh­ren­den Ver­le­ger und Nach­rich­ten­agen­tu­ren nach Kräf­ten unter­stützt, denn die Ver­le­ger ste­hen in Deutsch­land und in der EU ins­ge­samt vor den glei­chen Her­aus­for­de­run­gen. Auf­grund der Vor­ga­ben der neu­en EUUr­he­ber­rechts­richt­li­nie wer­den auch alle ande­ren EU-Mit­glieds­staa­ten ein Leis­tungs­schutz­recht für Pres­se­ver­le­ger regeln, das gegen markt­mäch­ti­ge Digi­tal­un­ter­neh­men wie Goog­le durch­zu­set­zen sein wird. In der EU gilt ein weit­ge­hend ver­ein­heit­lich­tes Kar­tell­recht, auf des­sen Grund­la­ge die VG Media für die Pres­se­ver­le­ger bereits gegen Goog­le vor­geht. Die Ent­schei­dung der fran­zö­si­schen Wett­be­werbs­be­hör­de ist daher von euro­pa­wei­ter Bedeu­tung. Dazu Mar­kus Run­de, Geschäfts­füh­rer der VG Media: „Die heu­ti­ge Ent­schei­dung ist ein gro­ßer Erfolg für die ent­schlos­se­nen fran­zö­si­schen Pres­se­ver­le­ger, der dem pro­fun­den Ver­ständ­nis der Rea­li­tä­ten auf den Pres­se- bzw. Platt­form­märk­ten und der posi­ti­ven Hal­tung der fran­zö­si­schen Regie­rung zu ver­dan­ken ist. Die Ent­schei­dung weist den Weg zur erfolg­rei­chen Durch­set­zung der Rech­te der Pres­se­ver­le­ger in der gesam­ten Euro­päi­schen Uni­on.

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