Corint Media legt Goog­le Lizenz­ver­trag vor

Für die Rech­te der bis jetzt ver­tre­te­nen Pres­se­ver­la­ge for­dert Corint Media eine Lizenzgebühr von 420 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2022.

Pres­se­mit­tei­lung
15.10.2021
Corint Media-Geschäfts­füh­rer Chris­toph Schwennicke (l.) und Mar­kus Run­de

Corint Media, die als Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft die Leis­tungs­schutz­rech­te der Pres­se­ver­le­ger ver­tritt, hat Goog­le einen Lizenz­ver­trag vor­ge­legt. Für die Nut­zung von Pres­sein­hal­ten wie Über­schrif­ten, kur­zen Arti­kel­aus­schnit­ten und Vor­schau­bil­dern in der Such­ma­schi­ne for­dert Corint Media für der­zeit rund 200 Wahr­neh­mungs­be­rech­tig­te eine Lizenzgebühr von 420 Mil­lio­nen Euro für das Jahr 2022. Die­se berech­net sich aus einem üblichen Vergütungssatz auf die rele­van­ten Umsät­ze des ver­wer­ten­den Unter­neh­mens im jewei­li­gen Markt – hier also Goog­le in Deutsch­land. Die Schieds­stel­le beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt (DPMA) – zustän­dig für die Bewer­tung von Tarif- und Vergütungsfragen – hat­te bereits einen Lizenz­satz von bis zu 11 % auf die rele­van­ten Umsät­ze für das Gesamt­re­per­toire als grund­sätz­lich ange­mes­sen bewer­tet. Da Corint Media die Rech­te von der­zeit ca. 200 digi­ta­len Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen im deut­schen Markt wahr­nimmt, redu­ziert sich der Pro­zent­satz ent­spre­chend. Für Goog­le wer­den die aus dem Betrieb der Such­ma­schi­ne in Deutsch­land erwirt­schaf­te­ten Umsät­ze auf rund 9 Mil­li­ar­den Euro für das Jahr 2020 geschätzt.

Nach den bekannt gewor­de­nen Zah­lun­gen bzw. For­de­run­gen für die Ver­wer­tung von Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen in ande­ren Märk­ten – Aus­tra­li­en rund 100 Mil­lio­nen Euro; Kana­da rund 400 Mil­lio­nen Euro – ord­net sich die gefor­der­te Sum­me im inter­na­tio­na­len Ver­gleich ein. In Frank­reich hat­te die dor­ti­ge Kar­tell­be­hör­de kürzlich Goog­le zu einer Zah­lung von 500 Mil­lio­nen Euro ver­ur­teilt. Das Unter­neh­men hat­te ent­ge­gen der behörd­li­chen Anord­nung mit den Pres­se­ver­le­gern nicht kon­struk­tiv über die Vergütung für das fran­zö­si­sche Pres­se­leis­tungs­schutz­recht – das wie das deut­sche auf der EU-Urhe­ber­rechts­richt­li­nie basiert – ver­han­delt.

Auf das Online-Ange­bot einer mit­tel­gro­ßen überregionalen Zei­tung mit einer Reich­wei­te von rund 30 Mil­lio­nen Visits pro Monat würden nach die­ser Lizen­zie­rung Erlö­se von rund 15 Mil­lio­nen Euro pro Jahr ent­fal­len. Die­se kön­nen sich durch die Abschlüsse wei­te­rer Lizenz­ver­trä­ge noch erhö­hen. Dafür hat Corint Media Face­book zu Ver­hand­lun­gen auf­ge­ru­fen, mit Micro­soft und wei­te­ren Nut­zern befin­det sich Corint Media bereits in Gesprä­chen.

Prof. Dr. Nor­bert Flech­sig, Urhe­ber­rechts­wis­sen­schaft­ler und Mit­au­tor zahl­rei­cher Kom­men­ta­re zum Urhe­ber­recht: “Die For­de­rung nach einer ange­mes­se­nen Vergütung von Rech­te­inha­bern für die Online-Nut­zung ist struk­tu­rell kein neu­er Fall für die Urhe­ber­rechts­wis­sen­schaft. Wenn Urhe­ber im Buch­be­reich als regel­mä­ßi­ge Lizenzvergütung min­des­tens 15 % des Ver­kaufs­prei­ses an der The­ke erhal­ten, dann kön­nen 11 % der Umsät­ze von Goog­le für sämt­li­che deut­schen Pres­se­ver­le­ger nur als Unter­gren­ze eines ange­mes­se­nen Ent­gelts bezeich­net wer­den. Schließ­lich ist das urhe­ber- und leistungsgeschützte redak­tio­nel­le Schaf­fen in die­sem Vergütungsanspruch ent­hal­ten, weil eben die­se Redak­teu­re hier­an antei­lig vergütet wer­den müssen. Nur mit einer sol­chen ange­mes­sen erschei­nen­den Vergütung erscheint auch Ver­trags­pa­ri­tät gege­ben, die der deut­sche Gesetz­ge­ber im Ver­hält­nis zwi­schen Pres­se­ver­le­gern und Such­ma­schi­nen­be­trei­bern nicht außer Kraft set­zen woll­te.“ (Ausführliches Zitat wei­ter unten.)

Axel Voss, MdEP, Bericht­erstat­ter für die EU-Urhe­ber­rechts­richt­li­nie: „Vom Pres­se­leis­tungs­schutz­recht müssen alle Ver­le­ger pro­fi­tie­ren, das ist der Wil­le des Euro­päi­schen Gesetz­ge­bers. Die Ein­nah­men sol­len die Ver­la­ge und damit die Mei­nungs- und Pres­se­viel­falt absi­chern und auch eine Betei­li­gung der Jour­na­lis­ten gewähr­leis­ten. Jeder Ver­such, die­ses robus­te Recht zu umge­hen, wider­spricht dem Zweck der Rege­lung und ist abzu­leh­nen.“

Mar­kus Run­de und Chris­toph Schwennicke, Geschäftsführer Corint Media: „Mit die­sem Ange­bot gehen die Ver­hand­lun­gen mit der größ­ten Platt­form, die Pres­se-Inhal­te nutzt, in die ent­schei­den­de Pha­se. Das Recht ist da, es ist euro­pä­isch legi­ti­miert und fin­det über die EU hin­aus Zustim­mung. Nun geht es dar­um, sehr bald und sehr trans­pa­rent einen Preis fest­zu­le­gen, der der Bedeu­tung der gesam­ten Pres­se im Netz gerecht wird.“

Zum Hin­ter­grund Prof. Dr. Flech­sig:

Prof. Dr. Nor­bert P. Flech­sig ist Urhe­ber­rechts­wis­sen­schaft­ler und Hono­rar­pro­fes­sor an der Juris­ti­schen Fakul­tät der Eber­hard-Karls-Uni­ver­si­tät Tübingen. Flech­sig war Lehr­be­auf­trag­ter an den Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len Tübingen, Stutt­gart, Lud­wigs­burg und Ravens­burg-Wein­gar­ten – u.a. jeweils im Bereich Urhe­ber­recht. Als Wis­sen­schaft­ler ist er Autor u.a. des „Hand­buch des Urhe­ber­rechts“ und des „Beck’scher Kom­men­tar zum Rund­funk­recht“ – bei­des Stan­dard­wer­ke in ihrem jewei­li­gen Gebiet. Flech­sig zum gefor­der­ten Vergütungssatz:

“Die For­de­rung nach einer ange­mes­se­nen Vergütung von Rech­te­inha­bern mit Auf­kom­men des Inter­net – vor allem vor­lie­gend der Vergütung des abso­lu­ten, aus­schließ­li­chen Leis­tungs­schutz­rechts des Pres­se­ver­le­gers, sei­ne Pres­se­ver­öf­fent­li­chung in Gän­ze oder in Tei­len für die Online-Nut­zung durch Anbie­ter von Diens­ten der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft öffent­lich zugäng­lich zu machen und zu ver­viel­fäl­ti­gen – gegenüber Such­ma­schi­nen ist struk­tu­rell kein neu­er Fall für die Urhe­ber­rechts­wis­sen­schaft. Lite­ra­tur und Recht­spre­chung beschäf­ti­gen sich seit über 100 Jah­ren mit die­sem The­ma. Wenn Urhe­ber im Buch­be­reich als regel­mä­ßi­ge Lizenzvergütung min­des­tens 15 % des Ver­kaufs­prei­ses an der The­ke erhal­ten, dann kön­nen 11 % der Umsät­ze von Such­ma­schi­nen­be­trei­bern aus ihrem Betrieb in Deutsch­land für sämt­li­che deut­schen Pres­se­ver­le­ger – das urhe­ber- und leistungsgeschützte redak­tio­nel­le Schaf­fen ist in die­sem fest­zu­set­zen­den Vergütungsanspruch ent­hal­ten, weil eben die­se Redak­teu­re hier­an antei­lig vergütet wer­den müssen (§ 87k UrhG) – nur als Unter­gren­ze eines ange­mes­se­nen Ent­gelts bezeich­net wer­den.

Nur mit einer sol­chen ange­mes­se­nen Vergütung erscheint auch Ver­trags­pa­ri­tät gege­ben, die der Gesetz­ge­ber im Ver­hält­nis zwi­schen Pres­se­ver­le­gern und Such­ma­schi­nen­be­trei­bern her­stel­len woll­te. Geht man von geschätzt 9 Mil­li­ar­den Euro Umsatz von Goog­le in Deutsch­land im Jahr 2020 aus, dann erscheint eine ange­nom­me­ne Lizenz­sum­me von 990 Mil­lio­nen Euro p.a. für sämt­li­che natio­na­len Pres­se­ver­le­ger und Redak­teu­re, also sämt­li­che diesbezüglichen Rech­te­inha­ber in Deutsch­land, ange­sichts die­ser exor­bi­tan­ten Umsät­ze in unse­rem Lan­de eher gering. Gehört es zu den Haupt­auf­ga­ben von Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten all­ge­mein, ange­mes­se­ne Vergütungen von den Vergütungspflichtigen ein­zu­for­dern und die­se an die von ihnen jeweils ver­tre­te­nen Berech­tig­ten wei­ter­zu­lei­ten, dann darf die­ser Vergütungsanspruch gegenüber Such­ma­schi­nen­be­trei­bern hin­ter ander­wei­ti­gen Vergütungsansprüchen – etwa gegenüber dem Nach­druck in Pres­se­spie­geln, den Nach­mel­dun­gen, den Ver­viel­fäl­ti­gun­gen von Schrift­wer­ken, sons­ti­gen Betreibervergütungen oder der Gerätevergütung – nicht unan­ge­mes­sen zurückbleiben.”

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