Corint Media geht gericht­lich gegen Micro­soft vor

Nach fast zwei­jäh­ri­gen Gesprä­chen über Lizen­zie­rung von Pres­sein­hal­ten durch die Such­ma­schi­ne Micro­soft Bing beschließt Corint Media-Auf­sichts­rat gericht­li­che Durch­set­zung Wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten von Micro­soft und Ankün­di­gun­gen des Kon­zern­man­ge­ments ent­spricht nicht Gesprä­chen

Pres­se­mit­tei­lung
Ber­lin, 01.04.2022

Der Auf­sichts­rat von Corint Media hat in sei­ner gest­ri­gen Sit­zung beschloss­en, die Durch­set­zung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts gegen Micro­soft nun­mehr gericht­lich anzu­ge­hen. Corint Media hat­te die­sen Schritt nach mehr als zwei Jah­re andau­ern­den Gesprä­chen ohne ein akzep­ta­bles Ergeb­nis zu einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung für die Nut­zung von Pres­sein­hal­ten durch Micro­soft Bing und MSN emp­foh­len.

Die Ver­tre­ter von Corint Media zei­gen sich ver­wun­dert über das wider­sprüch­li­che Ver­hal­ten von Micro­soft. Der Prä­si­dent der Micro­soft Cor­po­ra­ti­on, Brad Smith, hat­te sich wie­der­holt öffent­lich dafür aus­ge­spro­chen, die Bemü­hun­gen um einen aus­ge­gli­che­nen Wett­be­werb zwi­schen Pres­se­ver­la­gen – die grund­le­gend für das Funk­tio­nie­ren einer Demo­kra­tie sei­en – und Digi­tal­mo­no­po­lis­ten zu unter­stüt­zen. So begrüß­te er ent­spre­chen­de gesetz­li­che Regu­lie­run­gen als grund­le­gen­den Schritt in Rich­tung eines fai­re­ren digi­ta­len Öko­sys­tems für Ver­brau­cher, Unter­neh­men und die Gesell­schaft. (Blog-Ein­trag Brad Smith)

Mar­kus Run­de und Chris­toph Schwennicke, Geschäfts­füh­rer Corint Media dazu: „Micro­soft hat den von Corint Media ver­tre­te­nen Pres­se­ver­la­gen nur einen unan­ge­mes­sen gerin­gen Betrag für die Lizen­zie­rung von Pres­sein­hal­ten ange­bo­ten. Die­ser ori­en­tiert sich augen­schein­lich an den eben­falls unver­hält­nis­mä­ßig und unan­ge­mes­sen nied­ri­gen „Ange­bo­ten“, die Goog­le im Markt immer noch markt­miss­bräuch­lich in Indi­vi­du­al­ver­trä­gen durch­zu­set­zen meint. Die deut­li­che Dis­kre­panz zwi­schen den öffent­li­chen Äuße­run­gen der Unter­neh­mens­füh­rung von Micro­soft und der geleb­ten Pra­xis ist erstaun­lich. Öffent­lich hat man sich immer wie­der zur Pres­se­viel­falt bekannt und ange­kün­digt, das Pres­se­leis­tungs­schutz­recht durch Zah­lun­gen zu hono­rie­ren. Lei­der bleibt die Wirk­lich­keit voll­stän­dig hin­ter die­ser Ankün­di­gung zurück.

Das Vor­ge­hen gegen Micro­soft reiht sich ein in eine kon­sis­ten­te und strin­gen­te Rechts­durch­set­zung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts durch Corint Media gegen­über allen Ver­wer­tern, urhe­ber- wie kar­tell­recht­lich. Die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft hat­te bereits 2020 Beschwer­de beim Bun­des­kar­tell­amt gegen Goo­g­les und Metas/Facebooks markt­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten ein­ge­reicht. Die­se Beschwer­de ist, bezo­gen auf Goog­le, bereits vom Bun­des­kar­tell­amt durch die soge­nann­te Grund­ver­fü­gung nach § 19a GWB sowie die Ver­fah­rens­er­öff­nung gegen Goog­le Show Case auf­ge­grif­fen wor­den. Dage­gen prüft das Amt die Anwend­bar­keit von § 19a GWB auf Meta/Facebook der­zeit noch. Dem­entspre­chend wur­den die größ­ten Nut­zer, die Markt­be­herr­sch­er Goog­le und Meta/Facebook, im Janu­ar und Febru­ar 2022 letzt­ma­lig von Corint Media auf­ge­for­dert, für die Nut­zung von Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen nach gel­ten­dem Recht ange­mes­sen zu zah­len.

Im Rah­men des nach § 19a GWB geführ­ten Ver­fah­rens zu Goog­le hat­te das Bun­des­kar­tell­amt am 5. Janu­ar 2022 (Pres­se­mit­tei­lung) mit­ge­teilt, dass „Alphabet/Google ein Anwen­dungs­fall für die neue Auf­sicht über gro­ße Digi­tal­kon­zer­ne (§ 19a GWB) sei“ und stell­te die „über­ra­gen­de markt­über­grei­fen­de Bedeu­tung“ fest.

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