Corint Media bit­tet Schieds­stel­le, Goo­g­les Ver­gü­tungs­hö­he fest­zu­stel­len

Schieds­stel­le des Deut­schen Patent- und Mar­ken­amts (DPMA) soll wegen unent­gelt­li­cher Nut­zung von Pres­sein­hal­ten durch Such­ma­schi­nen­kon­zern Goog­le ent­schei­den.

Pres­se­mit­tei­lung
Ber­lin, 22.07.2022

Nach­dem der Auf­sichts­rat der Corint Media am 4. Juli 2022 ein­stim­mig einen ent­spre­chen­den Beschluss gefasst hat, hat Corint Media ges­tern bei der Schieds­stel­le des Deut­schen Patent- und Mar­ken­am­tes (DPMA) den Erlass einer Eini­gung wegen der unau­to­ri­sier­ten Goog­le-Nut­zung bean­tragt. Mit einer neu­tra­len Ent­schei­dung durch die Schieds­stel­le über die Vergütungshöhe sol­len den fort­ge­setz­ten, rechts­wid­ri­gen Nut­zun­gen von digi­ta­len Pres­se­er­zeug­nis­sen durch Goog­le auch urhe­ber­recht­lich ein Ende gesetzt wer­den. Bereits seit Inkraf­tre­ten des Geset­zes am 7. Juni 2021 nutzt Goog­le die Ver­le­ger­rech­te ohne Zustim­mung und zahlt dafür an Corint Media und den Groß­teil der deut­schen Pres­se­ver­la­ge nichts. Bis heu­te hat Goog­le weder die Ver­la­ge noch Corint Media darüber infor­miert, wie die Pres­sein­hal­te im Wege der Ver­viel­fäl­ti­gung und öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chung nicht nur im Goog­le-Öko­sys­tem, son­dern im gan­zen Alpha­bet-Kon­zern genutzt wer­den.

Corint Media bit­tet die Schieds­stel­le mit dem ges­tern ein­ge­reich­ten Antrag, vor allem die Höhe der ange­mes­se­nen Vergütung für die unstrei­ti­ge Nut­zung der Pres­se­er­zeug­nis­se sowie wei­te­re dis­kri­mi­nie­rungs­freie Lizenz­kon­di­tio­nen aus­zu­ur­tei­len. Dies ist ein kon­se­quen­ter Schritt, um bestä­ti­gen zu las­sen, dass die Zah­lungs­an­ge­bo­te Goo­g­les im unters­ten Pro­mil­le­be­reich nicht nur kar­tell­rechts­wid­rig, son­dern auch urhe­ber­recht­lich miss­bräuch­lich unan­ge­mes­sen sind.

Zuvor hat­te das Bun­des­kar­tell­amt bereits Anfang die­ses Jah­res eine Grundverfügung gegen Goog­le als Unter­neh­men mit überragender marktübergreifender Bedeu­tung erlas­sen und damit den Weg für eine exante‑, das heißt eine Vor­ab-Regu­lie­rung nach dem neu geschaf­fe­nen § 19a GWB ermög­licht. Zugleich hat das Bun­des­kar­tell­amt, auf Beschwer­de von Corint Media, ein Kar­tell­ver­wal­tungs­ver­fah­ren gegen Alpha­bet, eben­so wie gegen Goog­le, wegen des Miss­brauchs einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung vor allem durch die Ange­bo­te soge­nann­ter Goog­le News Show­ca­se-Ver­trä­ge und wegen der dar­in zum Aus­druck kom­men­den absichts­vol­len Aus­höh­lung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­tes ein­ge­lei­tet. Erst am 28. Juni 2022 ist Corint Media von der zustän­di­gen Beschluss­ab­tei­lung des Bun­des­kar­tell­am­tes auch offi­zi­ell als Par­tei zu die­sem wei­ter­hin für die Durch­set­zung der Ver­le­ger­rech­te maß­geb­li­chen Kar­tell­ver­wal­tungs­ver­fah­ren bei­ge­la­den wor­den. Auch die drei Ver­le­ger­ver­bän­de BDZV, MVFP und VDL haben mitt­ler­wei­le Par­tei­sta­tus in die­sem wich­ti­gen Kar­tell­ver­wal­tungs­ver­fah­ren bean­tragt.

Trotz die­ses Vor­ge­hens ist Corint Media bereit, Goog­le auch wei­ter­hin einen Lizenz­ver­trag in Höhe von 420 Mil­lio­nen Euro p.a. für das ver­tre­te­ne Rech­te­portfo­lio anzu­bie­ten. Die genann­te For­de­rungs­hö­he folgt der im Urhe­ber­recht gän­gi­gen Lizen­zie­rungs­pra­xis, 11 Pro­zent der tes­tier­ten Umsät­ze, die mit den Urhe­ber- und Leis­tungs­schutz­rech­ten Drit­ter erwirt­schaf­tet wer­den, als ange­mes­se­ne Lizenz­zah­lun­gen zu leis­ten (sie­he Gra­fik in Down­load-PDF). Nach­dem Goog­le die­se For­de­run­gen als „halt­los“ abge­wie­sen hat­te, hat Corint Media Goog­le erfolg­los auch meh­re­re Inte­rims­ver­ein­ba­run­gen mit inte­ri­mis­tisch gerin­ge­ren Vergütungen ange­bo­ten, um zumin­dest Goo­g­les rechts­wid­ri­ge Nut­zung seit dem 7. Juni 2021 (Inkraft­tre­ten des deut­schen Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts) zu been­den und Goog­le so eine recht­s­treue Nut­zung zu ermög­li­chen.

Goog­le hat Corint Media eine Zah­lung von 3,2 Mil­lio­nen Euro ange­bo­ten, mit der alle Rech­te abge­gol­ten sein soll­ten. Dies ent­spricht weni­ger als einem Pro­zent der Corint Media-For­de­run­gen und weni­ger als 0,03 Pro­zent des von Corint Media geschätz­ten Goog­le-Umsat­zes in Deutsch­land in Höhe von ca. 11,3 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2021. Dass sich Goog­le – wie aktu­ell behaup­tet – um Ver­hand­lun­gen mit Corint Media bemüht habe, kann Corint Media vor die­sem Hin­ter­grund nicht bestä­ti­gen.

Ent­ge­gen den Dar­stel­lun­gen von Goog­le bil­den Pres­sein­hal­te den zen­tra­len, übergeordneten Wert für das gesam­te Goog­le-Öko­sys­tem. Anschau­lich wird dies vor allem an den stän­dig stei­gen­den Umsät­zen der Goog­le-Such­ma­schi­ne und des gesam­ten, von außen nicht ein­seh­ba­ren, Goog­le-Öko­sys­tems in Deutsch­land, des­sen Umsät­ze sich in den geprüften Jahresabschlüssen der Goog­le Ire­land Ltd. ver­ber­gen. Wel­che überragende Bedeu­tung Pres­se­er­zeug­nis­se haben, bele­gen nicht nur die jähr­lich zwei­stel­li­gen Umsatz­stei­ge­run­gen. Auch eine aktu­el­le Unter­su­chung von Pro­fes­sor Mat­thew Elli­ot der Uni­ver­si­tät Cam­bridge kommt bei­spiel­haft zu dem Ergeb­nis, dass Goog­le allein in Groß­bri­tan­ni­en rund eine Mil­li­ar­de Euro direkt und unmit­tel­bar mit Pres­sein­hal­ten ver­dient. Der bri­ti­sche Markt macht aber nur rund 70% der Grö­ße des deut­schen Markts nach Brut­to-Inlands­pro­dukt (BIP) aus. Im aus­tra­li­schen Markt zahlt Goog­le rund 100 Mil­lio­nen Euro an aus­ge­wähl­te Pres­se­ver­le­ger für die Nut­zung ihrer Inhal­te. Auch in Frank­reich zahlt Goog­le einen hohen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag für die Nut­zung eini­ger Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­te.

Mar­kus Run­de und Chris­toph Schwennicke, Geschäftsführer Corint Media dazu: „Anders als etwa in Frank­reich haben wir in Deutsch­land die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit, die Höhe der ange­mes­se­nen Vergütung durch eine mit hoher Sach- und Fach­kun­de aus­ge­stat­te­te Schieds­stel­le mit jahr­zehn­te­lan­ger Erfah­rung aus­ur­tei­len zu las­sen. Die Schieds­stel­le wird als neu­tra­le Instanz fest­stel­len, wie hoch eine ange­mes­se­ne Vergütung für Pres­se­ver­le­ger und ihre Redak­teu­re tat­säch­lich zu sein hat und wie der von Goog­le geschaf­fe­ne rechts­wid­ri­ge Zustand zu Las­ten der Ver­le­ger und ihrer Jour­na­lis­ten jetzt zu been­den ist. Die neu­tra­le Fest­stel­lung der Höhe ist von überragender Bedeu­tung. Für die Durch­set­zung des Rechts durch Zah­lung einer ange­mes­se­nen Vergütung gegen den Markt­be­herr­sch­er Goog­le ist aber eine Ent­schei­dung des Bun­des­kar­tell­amts essen­zi­ell. Goog­le will jede trans­pa­ren­te ein­heit­li­che Preis­bil­dung im neu geschaf­fe­nen Markt für Pres­se­ver­le­ger­rech­te ver­hin­dern. Genau das war und bleibt aber der erklär­te Wil­le des EU- und deut­schen Gesetz­ge­bers. Recht gilt für alle, auch für welt­weit agie­ren­de Markt­be­herr­sch­er. Das ist eines der gro­ßen Ver­spre­chen unse­res Grund­ge­set­zes, das zugleich die Pres­se und ihre Bedeu­tung für die Mei­nungs­bil­dung in par­ti­zi­pa­ti­ven Demo­kra­tien unter den beson­de­ren Schutz des Art. 5 GG stellt. Wir ver­trau­en auf schnel­le Ent­schei­dun­gen der Schieds­stel­le.“

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