Teil­nah­me an „Goog­le News Show­ca­se“ darf kol­lek­ti­ve Rech­te­wahr­neh­mung nicht behin­dern

Ers­te Bewer­tung des Bun­des­kar­tell­amts zu Goog­le News Show­ca­se ver­öf­fent­licht. Ange­mes­se­ne Ver­gü­tung setzt Schieds­stel­le beim DPMA fest. Bun­des­kar­tell­amt prüft Teil­nah­me an die­sem Ver­fah­ren. Bun­des­kar­tell­amt stellt fest, dass „Goog­le News Show­ca­se“ nicht mit der Goog­le-Suche ver­knüpft wer­den darf – ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Absicht Goo­gles. Wei­ter­hin wird die Lizen­zie­rungs­pflich­tig­keit des „Show­ca­se“ betont. Teil­nah­me von Pres­se­ver­le­gern am „Show­ca­se“ muss unab­hän­gig von der kol­lek­ti­ven Rech­te­wahr­neh­mung mög­lich sein.

Pres­se­mit­tei­lung
Ber­lin, 21.12.2022

Das Bun­des­kar­tell­amt hat sei­ne ers­te Bewer­tung der Ober­flä­che „Goog­le News Show­ca­se“ mit­ge­teilt. Nach Anga­ben des Amtes muss Goog­le in ent­schei­den­den Punk­ten nach­ge­ben. So hat Goog­le meh­re­re Klau­seln in Ver­trä­gen abzu­än­dern, die Ver­la­gen eine Teil­nah­me an Show­ca­se und die gleich­zei­ti­ge kol­lek­ti­ve Durch­set­zung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts unmög­lich gemacht hät­ten. Zudem muss Goog­le nach­wei­sen, dass eine Ein­bet­tung von Goog­le News Show­ca­se in die Goog­le-Suche nicht mehr ver­folgt wird. Die Umset­zung die­ser Maß­nah­men wird das Bun­des­kar­tell­amt in einem Fol­ge­ver­fah­ren über­wa­chen.

Das Bun­des­kar­tell­amt hat die Fra­ge einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts nicht geprüft und ver­weist auf die Schieds­stel­le beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­am­tes (DPMA) als vor­ran­gig zustän­di­gem Spruch­kör­per in allen urhe­ber­recht­li­chen Fra­gen. Das BKar­tA kün­digt an, sich gege­be­nen­falls selbst an dem Ver­fah­ren vor der Schieds­stel­le zu betei­li­gen. Dadurch wird deut­lich, dass das Amt die markt­be­herr­schen­de Stel­lung Goo­gles als wich­ti­gen Fak­tor, der die zu ermit­teln­de Ver­gü­tungs­hö­he zulas­ten der Pres­se­ver­le­ger beein­flusst, wei­ter­hin im Auge behält.

Außer­dem stell­te das Bun­des­kar­tell­amt klar, dass „Goog­le News Show­ca­se“ auf Grund­la­ge des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts lizen­zie­rungs­pflich­tig ist und die Teil­nah­me von Pres­se­ver­le­gern am „Show­ca­se“ die kol­lek­ti­ve Durch­set­zung des Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts nicht behin­dern dür­fe. Dazu der Prä­si­dent des Bun­des­kar­tell­amts Andre­as Mundt: „Goog­le hat sei­ne Ver­trags­pra­xis so geän­dert, dass den Ver­la­gen eine Gel­tend­ma­chung ihres all­ge­mei­nen Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts nicht erschwert wird.“

Über die wesent­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ein­schließ­lich der Funk­ti­ons­wei­se sowie der tat­säch­li­chen Teil­nah­me­an­for­de­run­gen des „Show­ca­se“ muss Goog­le laut Bun­des­kar­tell­amt noch deut­li­cher infor­mie­ren, um einen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zu gewähr­leis­ten.

Dazu Corint Media-Geschäfts­füh­rer Mar­kus Run­de und Chris­toph Schwennicke: „‚Goog­le News Show­ca­se‘ war und ist ein Ver­such Goo­gles, die gesetz­li­chen Rech­te von Pres­se­ver­le­gern zu umge­hen. Nach der ers­ten Bewer­tung des Bun­des­kar­tell­amts wird dies nun schwe­rer, auch wenn die Ent­schei­dung des Kar­tell­amts weder die neue Ver­knüp­fung mit ins­be­son­de­re „Dis­co­ver“ berück­sich­tigt noch von den Mög­lich­kei­ten des neu­en Wett­be­werbs­rechts nach § 19a GWB Gebrauch macht. Wir wer­den sehen müs­sen, ob sich Goog­le an die Anord­nun­gen hält und bereit ist, sich tat­säch­lich rechts­treu zu ver­hal­ten, oder das Pres­se­leis­tungs­schutz­recht wei­ter­hin aus­zu­höh­len ver­sucht.“

Die fran­zö­si­sche Kar­tell­be­hör­de ging auf Grund­la­ge des uni­ons­weit gel­ten­den Pres­se­leis­tungs­schutz­rechts im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich ent­schie­de­ner als das deut­sche Bun­des­kar­tell­amt gegen Goog­le vor. Die Wett­be­werbs­hü­ter in Frank­reich hat­ten „Goog­le News Show­ca­se“ als Mit­tel zur Aus­höh­lung der Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­te bezeich­net und gegen Goog­le eine Wett­be­werbs­stra­fe in Höhe von 500 Mil­lio­nen Euro ver­hängt. Unter dem Druck der Wett­be­werbs­hör­de konn­ten sich dann die fran­zö­si­schen Tages­zei­tun­gen und Maga­zi­ne mit Goog­le auf Lizenz­zah­lun­gen im hohen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich eini­gen. Im grö­ße­ren deut­schen Markt bie­tet Goog­le hin­ge­gen nur Zah­lun­gen zwi­schen 10 und 15 Mil­lio­nen Euro für die ent­spre­chen­den Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­te.

Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­kar­tell­amts muss nun die Schieds­stel­le des Deut­schen Patent- und Mar­ken­am­tes (DPMA) über die Höhe einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung durch Goog­le befin­den. Im Ver­fah­ren gegen Micro­soft hat­te die Schieds­stel­le kürz­lich eine inte­ri­mis­ti­sche Ver­gü­tung in Höhe von 1,2 Mil­lio­nen Euro für den Zeit­raum seit 7. Juni 2021 bis Ende 2022 und wei­ter­hin jähr­lich 800.000 Euro für die Corint Media-Ver­le­ger vor­ge­schla­gen. Micro­soft hat die­sen Vor­schlag ange­nom­men. Die von Micro­soft betrie­be­ne Such­ma­schi­ne Bing hält rund vier bis fünf Pro­zent Markt­an­teil in Deutsch­land. Goog­le mit einem Markt­an­teil von mehr als 90 Pro­zent hat­te im Früh­jahr 2022 eine Ver­gü­tung von ledig­lich 3,2 Mio. Euro pro Jahr ange­bo­ten (sie­he Pres­se­mit­tei­lung Corint Media vom 3. März 2022).

Nach dem euro­pa­weit ver­ein­heit­lich­ten Urhe­ber­recht sol­len Unter­neh­men wie Face­book und Goog­le die Pres­se­ver­le­ger dafür ver­gü­ten, dass sie mit deren Inhal­ten ihre eige­nen Ange­bo­te auf­wer­ten. Nach jah­re­lan­ger Wei­ge­rung, über­haupt für die Nut­zung frem­der Inhal­te zu zah­len, bie­tet der Such­ma­schi­nen­an­bie­ter inzwi­schen aus­ge­wähl­ten Pres­se­ver­le­gern über „Goog­le News Show­ca­se“ schein­bar lukra­ti­ve Ver­gü­tun­gen an, wäh­rend ein Groß­teil der Pres­se – vor allem klei­ne und regio­na­le Medi­en­häu­ser – mit mini­ma­len Zah­lun­gen abge­speist oder gar nicht bezahlt wer­den. Der Ver­such Goo­gles, dadurch die Bran­che zu spal­ten stellt aus Sicht von Corint Media ein wett­be­werbs­wid­ri­ges Ver­hal­ten eines Markt­be­herr­schers dar. Die Kon­di­tio­nen und die sehr gerin­gen Ver­gü­tun­gen durch Goog­le kön­nen nach Ansicht von Corint Media nur erzielt wer­den, da Goog­le mit sei­ner Markt­macht ein unver­zicht­ba­rer Ver­triebs­weg für Online-Medi­en ist. In der Ver­gan­gen­heit hat­te Goog­le mehr­fach ange­droht, Ver­la­ge, die ihre Rech­te wahr­neh­men wol­len, schlech­ter in der Goog­le-Suche anzu­zei­gen, und die­se Dro­hung auch umge­setzt.

Kar­tell­amts­chef And­res Mundt hat­te wäh­rend der kar­tell­recht­li­chen Unter­su­chung erklärt: „Die Bedin­gun­gen für eine Teil­nah­me an Goog­le News Show­ca­se sol­len die Gel­tend­ma­chung des all­ge­mei­nen Leis­tungs­schutz­rech­tes der Pres­se­ver­le­ger nicht behin­dern“ und „Par­al­lel zu dem Ver­fah­ren zum Goog­le News Show­ca­se behal­ten wir die Ver­hand­lun­gen zur Ver­gü­tung des Leis­tungs­schutz­rechts genau im Blick.“

Zuletzt war auch von Sei­ten der Urhe­ber Kri­tik am Ver­hal­ten Goo­gles laut gewor­den. In einer Pres­se­mit­tei­lung for­der­te DJV-Bun­des­vor­sit­zen­der Frank Über­all, der Such­ma­schi­nen­rie­se Goog­le dür­fe es nicht bei Lip­pen­be­kennt­nis­sen zur Bedeu­tung des Jour­na­lis­mus belas­sen, son­dern müs­se end­lich auch dafür bezah­len. In der jet­zi­gen Situa­ti­on von Ein­zel­ver­trä­gen zwi­schen Goog­le und den Ver­la­gen läuft die gesetz­lich fest­ge­leg­te Betei­li­gung der Urhe­ber ins Lee­re, da der über­wie­gen­de Teil der Zah­lun­gen nicht für Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­te dekla­riert wer­den, son­dern ande­re Leis­tun­gen ver­gü­ten, die nicht betei­li­gungs­pflich­tig sind.

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