Bun­des­kar­tell­amt eröff­net Ver­fah­ren gegen Goog­le

Ver­fah­rens­er­öff­nung des Bun­des­kar­tell­amts stärkt die effek­ti­ve Durch­set­zung ange­mes­se­ner Ver­gü­tun­gen für das Pres­se­leis­tungs­schutz­recht.

Pres­se­mit­tei­lung
Ber­lin, 04.06.2021
Andre­as Mundt, Präsident Bun­des­kar­tell­amt„Die star­ke Stel­lung von Goog­le beim Zugang zu den End­kun­den darf nicht zu einer Verdrängung kon­kur­rie­ren­der Ange­bo­te von Ver­la­gen oder sons­ti­gen Nach­rich­ten­an­bie­tern führen.“ (sie­he Pres­se­mit­tei­lung BKar­tA vom 4. Juni 2021, Link am Sei­ten­en­de)

Wie heu­te mit­ge­teilt, hat das Bun­des­kar­tell­amt gegen Goog­le ein Miss­brauchs­ver­fah­ren zur Prü­fung des Nach­rich­ten­an­ge­bots „Goog­le News Show­ca­se“ ein­ge­lei­tet. Das Ver­fah­ren stützt sich neben dem klas­sisch­en Miss­brauchs­ver­bot auch auf wei­ter­ge­hen­de neue Vor­schrif­ten zur Regu­lie­rung von Unter­neh­men mit über­ra­gen­der markt­über­grei­fen­der Bedeu­tung für den Wett­be­werb (§ 19a GWB). Die­se Vor­schrif­ten ermög­li­chen ein effek­ti­ve­res und schnel­le­res Vor­ge­hen gegen wett­be­werbs­be­schrän­ken­de Ver­hal­tens­wei­sen ins­be­son­de­re gro­ßer Digi­tal­kon­zer­ne.

Hin­ter­grund des Ver­fah­rens ist die von Corint Media beim Bun­des­kar­tell­amt im Okto­ber letz­ten Jah­res ein­ge­reich­te Beschwer­de, die ver­schie­de­ne Ver­stö­ße von Goog­le gegen das Miss­brauchs­ver­bot dar­legt:

  • Der Dienst „Goog­le News Show­ca­se“ und sei­ne Inte­gra­ti­on in ander­wei­ti­ge Goog­le-Diens­te, ins­be­son­de­re die Goog­le Such­ma­schi­ne, sind klar dar­auf aus­ge­legt, die Auf­merk­sam­keit der Nut­zer auf den neu­en Goog­le-eige­nen Nach­rich­ten­dienst und die dar­in ent­hal­te­nen Pres­sein­hal­te zu kon­zen­trie­ren – dies unter miss­bräuch­li­cher Aus­nut­zung von Goo­g­les qua­si-mono­po­lis­ti­scher Stel­lung auf dem Such­ma­schi­nen­markt und zu Las­ten der nicht an die­sem Dienst teil­neh­men­den Pres­se­ver­le­ger.
  • Zugleich sind die zugrun­de­lie­gen­den Ver­trä­ge so aus­ge­stal­tet, dass sie den Ver­le­gern die Durch­set­zung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung für die Nut­zung ihrer Inhal­te, wie sie das gera­de vom Gesetz­ge­ber beschlos­se­ne Pres­se­leis­tungs­schutz­recht gewähr­leis­ten soll, in miss­bräuch­li­cher Wei­se unmög­lich machen.

 
Corint Media begrüßt, dass das Bun­des­kar­tell­amt die­se Beschwer­de nun auf­ge­grif­fen hat und das Ver­hal­ten von Goog­le einer kar­tell­recht­li­chen Prü­fung unter­zieht. Das Ver­hal­ten von Goog­le stellt aus Sicht von Corint Media nicht nur eine gra­vie­ren­de Beschrän­kung des Wett­be­werbs zu Las­ten der Pres­se­ver­le­ger dar, son­dern gefähr­det damit zugleich die wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen der frei­en Pres­se.

Chris­toph Schwennicke und Mar­kus Run­de, Geschäfts­füh­rer von Corint Media: „Nach­dem die Legis­la­ti­ve durch die Ände­rung des Kar­tell­rechts und die Ein­füh­rung des urhe­ber­recht­li­chen Pres­se­leis­tungs­schutz­rech­tes für Ver­le­ger — euro­pä­isch wie natio­nal — mit guten Grün­den den gesetz­li­chen Rah­men zwi­schen Inhal­te­an­bie­tern und Inhal­te nut­zen­den Platt­for­men neu gesetzt hat, ist die Eröff­nung die­ses Ver­fah­rens der nächs­te wich­ti­ge Schritt für die kon­kre­te Rechts­an­wen­dung. Auch glo­bal agie­ren­de Tech-Unter­neh­men bewe­gen sich in gesetz­ten Rechts- und Ord­nungs­rah­men, die wir uns in gewal­ten­tei­li­gen Demo­kra­tien in Frei­heit gege­ben haben. Ver­stö­ße gegen die­se Rechts­rah­men bedür­fen der kon­se­quen­ten Auf­ar­bei­tung und Ahn­dung.“

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